Pop-up-Redaktion des „Mannheimer Morgen“ plant Verlängerung bis Weihnachten
Es ist die Nachricht in der Sprechstunde vom Vorsitzenden der HAAS-Geschäftsführung Florian Kranefuß, die sogar spontan Applaus bei den Besucherinnen und Besuchern auslöst: Der „Mannheimer Morgen“ plant, bis Weihnachten die Pop-up-Redaktion auf den Planken zu verlängern. Die tolle Resonanz und der wichtige Austausch mit Leserinnen und Lesern seien für diese Entscheidung ausschlaggebend gewesen. Zunächst war das Projekt auf 80 Tage angelegt gewesen – zur Feier des 80. Jahrestags der Zeitung. „Jetzt machen wir das Geburtstagsjahr voll“, verkündet Kranefuß.
„In der Pop-up-Redaktion sind alle ansprechbar“, so Kranefuß in seiner Sprechstunde, „es ist eine unabhängige Plattform, wie ein Marktplatz, auf dem sich die Bürger austauschen können.“ Dem stimmt Leserin Gisela Stark zu: „Miteinander reden ist wichtig. Das kann die KI nicht ersetzen“, meint sie.
Digitale Transformation und Zukunft der Print-Zeitung
Womit auch schon eines der wichtigen Themen in der Sprechstunde angesprochen ist. Die digitale Transformation und die Zukunft des Printprodukts sprechen viele Leser an. Sie treibt die Sorge um, die gedruckte Zeitung könne eingestellt werden. Doch da kann Kranefuß die Besucher beruhigen: „Wir sind froh über jeden, der Print abonniert, und verfolgen keine Strategie, Print zu verhindern.“ Natürlich müsse sich auch die gedruckte Zeitung weiter rechnen. Und die Frage hat Kranefuß erwartet. „Doch wir haben gar nicht die Pläne, Print abzuschaffen“, so der Geschäftsführer.
Miteinher gehen Fragen nach der Aktualität des Printprodukts. Da holt Kranefuß aus: „Vor 80 Jahren gab es beim ‚Mannheimer Morgen‘ ein Produkt für alle.“ Mittlerweile bespielt der Verlag doch verschiedene Zielgruppen und damit auch verschiedene Kanäle. Jüngere Zielgruppen beispielsweise würden eher eine „Feedlogik“ bevorzugen: eine kontinuierliche Aktualisierung und ein Scrollen ohne Ende – wie auf der Website und den Social-Media-Kanälen des „Mannheimer Morgen“. Der große Vorteil: eine kontinuierliche Aktualität der Informationen. Außerdem wird auch das E-Paper nachts aktualisiert.
Die Aktualität hängt mit den früheren Andruckzeiten der Zeitung zusammen. Und die seien eine Konsequenz der Entwicklung bei den Zustellern. Immer weniger Menschen wollen diesen Job nachts machen, was zur Folge habe, dass ein Zusteller mehrfach hintereinander Touren machen müsse. Dafür werde mehr Zeit benötigt. Der Geschäftsführer hat den Job selbst einmal gemacht, wie er erzählt. Er schätze jeden der Kollegen sehr. Außerdem meint Kranefuß, dies sei eine Entwicklung, die die ganze Branche und so gut wie alle Zeitungen betreffe. Und stellt fest: „Es gibt kein Produkt der Welt, das bis morgens um sieben Uhr jeden Tag im Briefkasten landet.“ Nicht einmal Amazon mit der Lieferung am selben Tag könne das bieten, denn da sei das Zeitfenster immer verschieden.
Auch die steigenden Abopreise beschäftigen die Leser. Kranefuß versteht dies, verweist aber auf die Wertigkeit des Produkts: „80 Redakteurinnen und Redakteure, die top ausgebildet sind“, arbeiten jeden Tag am Produkt, ebenso die Druckerei und die Zusteller. Der gestiegene Mindestlohn und die Papierpreise hingen auch damit zusammen.

Die Zukunft des „Mannheimer Morgen“
Die Zukunft des „Mannheimer Morgen“ beschäftigt die Besucher aber nicht nur im Hinblick auf die gedruckte Zeitung. Auch wie die Zeitung jüngere Leser an das Medium heranführt, sprechen einige Besucher an. Vor allem das Bewegtbild, also Kurzvideos in den sozialen Medien, sieht Kranefuß als wichtigen Baustein. Auf den verschiedenen sozialen Medien wie Facebook, Instagram, YouTube und TikTok hat der Verlag rund 260.000 Follower, erreicht aber darüber hinaus noch deutlich mehr Nutzer – und das teilweise kostenfrei. Auch kostenfrei sind die Podcasts des Verlags, etwa der True-Crime-Podcast Verbrechen im Quadrat, Mensch Mannheim, der Adler-Check oder das Buwe Gebabbel. Diese Angebote sind auch dazu gedacht, jüngere Menschen an die Marke heranzuführen. „Wir investieren also in junge Leute“, so Kranefuß.
Schnelle Veränderungen, Transformationen und Entwicklungen prägen die Branche. Dies seien auch die Dinge, die ihn so an ihr interessierten, sagt Kranefuß. Ein Teil davon ist auch die künstliche Intelligenz (KI). „Wir sehen in der künstlichen Intelligenz eine größere Revolution als im Internet.“ Das Internet sei damals hochgradig unterschätzt worden. „Diesmal nehmen wir es richtig ernst. Die KI hat eine ‚Frenemy‘-Komponente“, sagt der Geschäftsführer. Frenemy – die englischen Worte „Friend“ und „Enemy“ zusammengezogen. Kranefuß sieht großes Potenzial in der neuen Technik, doch stehle die Künstliche Intelligenz auch die Inhalte des Verlags – etwa durch Bots, die Websites scannen und damit die KI trainieren.
Volle zwei Stunden sitzen die Leserinnen und Leser da und hören sowohl Florian Kranefuß als auch einander aufmerksam zu, diskutieren und bringen ihre Anliegen vor. Kurz bevor sich Leser Andre Bensid verabschiedet, appelliert er noch an den Geschäftsführer: „Werden Sie Wiederholungstäter!“
Ab der kommenden Woche, 27. Juli 2026, ist die Pop-up-Redaktion mit Store und angeschlossenem Kundenservice von Montag bis Samstag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Verlag plant damit, den Standort bis Weihnachten zu erhalten. Eine Übersicht über die verschiedenen Veranstaltungen finden Sie unter www.mannheimer-morgen.de/pop-up-redaktion-events. Weiter geht es zum Beispiel mit einer Sprechstunde unserer Chefredakteurin Miriam Scharlibbe am kommenden Dienstag, 28. Juli, von 16 bis 18 Uhr.
